Familienbegriff ausweiten

Wer kann derzeit über den Familiennachzug in die Schweiz geholt werden?

Unter Artikel 51 des Asylgesetzes [AsylG] haben nur Ehepartner, eingetragene Lebenspartner, Konkubinatspartner und minderjährige Kinder von Flüchtlingen mit Asyl Anspruch auf Familiennachzug. Zusätzlich muss die familiäre Beziehung bereits vor der Flucht bestanden haben.

Weshalb genügt die derzeitige Gesetzeslage nicht?

Eine fortschrittliche Regelung zum Familiennachzug sollte den individuellen Lebensumständen Rechnung tragen. Gerade für Menschen aus Kriegsgebieten entspricht die Vorstellung einer intakten Kernfamilie nicht immer der Realität. Daher sollten auch andere Bezugspersonen, zu denen eine besonders enge Beziehung besteht, für einen Familiennachzug berücksichtigt werden.

Wofür setzen wir uns ein?

  • Das Recht auf Familienzusammenführung soll unabhängig davon anerkannt werden, wann und wo die Familienbindung entstand (also im Herkunftsland, während der Flucht oder erst in der Schweiz).

  • Die Schweiz soll über die Kernfamilie hinaus weitere Bezugspersonen für die Familienzusammenführung berücksichtigen, wenn gemäss den individuellen Umständen eine enge Bindung oder ein Abhängigkeitsverhältnis besteht. Dies gilt z.B. für Geschwister, Eltern, Grosseltern oder Enkelkinder und weitere Personen je nach Einzelfallkonstellation. Bei Kindern ist immer abzuklären, ob es dem übergeordneten Kindesinteresse entspricht, mit der Bezugsperson zusammenzuleben. Bei Abhängigkeitsverhältnissen sollen sämtliche Faktoren berücksichtigt werden, also neben finanziellen und physischen Aspekten auch rechtliche, emotionale und soziale. 

  • Die Familienzusammenführung ist insbesondere dem EU-Freizügigkeitsrecht anzugleichen, wonach neben dem Ehegatten bzw. eingetragenen Partner auch Kinder bis 21 Jahre (inklusive Stiefkinder) sowie bei Unterhaltszahlung auch über 21-jährige Kinder sowie Eltern und Grosseltern in die Schweiz kommen können.