Griechenland

Die Situation in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln ist menschenunwürdig. Ein funktionierendes Schutzsystem existiert nicht.

© Keystone-SDA/LAIF/Refugee Media Team/Tueremis

Situation für Asylsuchende in Griechenland

Die Aufnahmebedingungen in Griechenland sind sehr prekär, Tausende verharren auf den Inseln, auch auf dem Festland reicht die Anzahl an Unterbringungsplätzen bei Weitem nicht aus. Das Land steht nach wie vor unter grossem Druck. Die griechischen Behörden sind unterbesetzt und überfordert, die Verfahren dauern extrem lange.

Seit dem fatalen Flüchtlingsdeal mit Erdogan im Frühjahr 2016 sind die Camps auf Lesbos, Samos, Chios zu Freiluftgefängnissen geworden. Das hat sukzessive auch das gesellschaftliche Klima auf den Inseln vergiftet. Im Camp Moria auf der Insel Lesbos leben 20‘000 Menschen eng zusammengepfercht. Ohne Zugang zu Hygiene, Ernährung, Medizin. Eine humanitäre Katastrophe ist das längst.

Schutzsuchende leiden unter den erbärmlichen Lebensbedingungen und die Bevölkerung auf den Inseln ist mittlerweile erschöpft. Rassistische Attacken auf Flüchtlinge, aber auch auf Hilfsorganisationen steigen sprunghaft an.

Das Recht auf Asyl steht auf dem Spiel

Die dramatischen Ereignisse an der griechisch-türkischen Grenze Ende Februar/Anfang März 2020 und die Reaktionen der politisch Verantwortlichen in der EU zeigen: In Griechenland, im «Labor Ägäis» geht es um die Zukunft eines gemeinsamen europäischen Asylrechts und die Verteidigung elementarer Menschenrechte. Die Athener Regierung hat das Asylrecht phasenweise ausgesetzt, es finden systematische, sehr gewaltsame push backs – völkerrechtswidrige Zurückweisungen – an der Landgrenze und verstärkt an der Seegrenze statt.

Relocation

© Keystone-SDA/LAIF/Refugee Media Team/Tueremis

Die Europäische Union und ihre Mitgliedsstaaten ignorierten lange vor Ausbruch der Covid-19 Pandemie die katastrophale Situation in den sogenannten Hotspots. Nun sollen 1600 Kinder von einer europäischen Koalition der Willigen aufgenommen werden. 

Die Schweiz macht mit und will bis zu 100 Kinder aus dem griechischen Elend holen. Das ist eine kleine Geste. Menschlichkeit und Menschenrechte erfordern aber einen großen Schritt.

Die Schweiz muss und kann mehr tun

Die Schweiz hat genügend Platz und verfügt über die nötige Infrastruktur, um rasch und unbürokratisch Flüchtlinge aus den unmenschlichen Lagern in Griechenland zu evakuieren.

Wir fordern zusammen mit NGOs, Kirchen und solidarischen Einzelpersonen in vielen Ländern sofort die Evakuierung der Flüchtlingslager in Griechenland.

Wir fordern die Schweiz auf, sich solidarisch zu zeigen und alles daran zu setzen, möglichst viele Schutzsuchende aus den Flüchtlingslagern in Griechenland zwecks Prüfung des Asylantrags in die Schweiz zu holen. Ihnen muss in der Schweiz ein faires Asylverfahren, adäquate Unterbringung und Betreuung gewährt werden – vorab den verletzlichsten unter ihnen.